Die Entstehung von wunden Brustwarzen (Rhagaden) hängt nicht von der Häufigkeit des Stillens oder seiner Dauer ab, wie man allgemein annimmt (daher auch die ungerechtfertigte Regel der 5 Minuten in den ersten Tagen nach der Entbindung), sondern von der von Anfang an richtigen Positionierung des Kindes an der Brust. Als erste Maßnahme bei wunden Brustwarzen sollte deshalb die Stilltechnik überprüft und eventuell korrigiert werden.

Kriterien für korrektes Stillen:

  • Die Position der Mutter muss bequem und entspannt sein, um Ermüdung und Muskelkontraktionen zu vermeiden und ein richtiges Anlegen des Kindes zu garantieren.
  • Falls notwendig, wird die Brust mit der Hand in C-Form gehalten (Daumen auf dem Rest der Fingerspitzen unter der entsprechenden Brust), bei Vermeidung der klassischen Scherenhaltung mit der Brustwarze zwischen Zeige- und Mittelfinger, wobei das Austreten von Milch riskiert wird.
  • Der Körper des langgestreckten Kindes ist gegen die Mutter gerichtet. Sobald es mit ihr im Kontakt ist, wird die Nase nach oben in Richtung der Brustwarze gerichtet.
  • Der Mund des Kinds muss weit offen sein, so dass der Großteil des Warzenhofs oberhalb der Oberlippe, aber nicht unterhalb der Unterlippe zu sehen ist. So werden die Milchgänge von der Bewegung der Zunge gut ausgedrückt.
  • Das Kinn des Kindes muss an der Brust liegen.
  • Die Unterlippe muss nach außen gestülpt sein.
  • Während des Stillens dürfen auf der Wange des Kindes keine Grübchen sichtbar sein. Das würde heißen, dass es nur an der Brustwarze saugt, aber nicht drückt.
  • Der Saugrhythmus muss regelmäßig sein, lang und tief, mit hörbarem Schlucken und einer Saug-/Schluckbeziehung, die während der Milchabgabe von 5:1 auf 1:1 geht.

Richtig Stillen – darauf sollten Sie achten

Das Kind löst sich nach dem Stillvorgang von selbst von der Brust. Das Reduzieren der Stilldauer dient nicht der Schonung der Brustwarze hinsichtlich Schäden an der Haut. Es verhindert aber, dass das Kind den an Fettgehalt reichhaltigsten Teil der Milch zum Ende des Stillens aufnimmt.

Darüber hinaus darf die Brust nicht mit speziellen Reinigungsmitteln, weder vor noch nach dem Stillen – gereinigt werden; man sollte sich auf die normale tagtägliche Hygiene für den ganzen Körper beschränken (Bad oder Dusche einmal täglich mit nicht zu aggressiver Seife). Das verhindert das Abwaschen des natürlichen Schutzes der Brustwarze, bestehend aus der wachsartigen Absonderung aus den Montgomery Drüsen, die sich in der Peripherie des Warzenhofs befinden sowie um die Sensibilität der kindlichen Geruchswahrnehmung nicht zu beeinträchtigen.

Schmerzen in der Brustwarze trotz richtiger Saugtechnik

Falls Sie trotz der korrekten Stillposition weiterhin Schmerzen in der Brustwarze spüren, können Sie eine Stillpause einlegen und die Brust alle 2 bis 3 Stunden entleeren, um so einen Milchstau zu verhindern.

Häufig können wunde Brustwarzen auch durch ein zahnendes Kind oder anatomische Besonderheiten (wie z. B. ein kurzes Zungen- oder Lippenbändchen) entstehen. Bei schwerwiegenden und längerfristigen Problemen sollten Sie auf jeden Fall einen Arzt oder eine Stillberaterin kontaktieren und sich zum Thema Stillposition beraten lassen.